Einführung
Die EZB hat am 04.12.2024 die aktualisierte Zeitplanung für das Integrated Reporting Framework (IReF) veröffentlicht.
Ziel des IReF ist es, die statistischen Meldungen der Banken im Euroraum zu vereinheitlichen, den Meldeaufwand zu verringern und die Qualität der für politische Entscheidungsträger und Analysten zur Verfügung stehenden Daten zu verbessern.
IReF ist zum einen eines der wichtigsten Vorhaben der EZB für eine Neuausrichtung des statistischen Meldewesens. Gleichzeitig wird mit IReF auch ein Paradigmenwechsel hin zu einem granularen Reporting von Meldedaten eingeläutet. Weiterhin ist IReF der erste Schritt zur weiteren Harmonisierung der Meldung statistischer, bankenaufsichtsrechtlicher Daten und Abwicklungsdaten.
In der neuen Zeitplanung der EZB wurden die Rückmeldungen des Bankensektors berücksichtigt, sodass mit dem neuen Zeithorizont eine reibungslose Umsetzung sichergestellt wird.
Der aktualisierte Zeitplan für IReF
Seit Mitte 2023 befindet sich das Eurosystem zum Thema IReF in einer umfangreichen Untersuchungsphase. Als eines der Ergebnisse dieser Untersuchungsphase wird die EZB Ende 2025 einen detaillierten Implementierungsplan für IReF veröffentlichen.
Dieser Plan berücksichtigt genügend Vorlaufzeit für die meldepflichtigen Banken und das Eurosystem, um die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen bereitzustellen.
Der Beginn der Meldungen im Rahmen des IReF ist nun für das 4. Quartal 2029 vorgesehen. Vor dem Berichtsbeginn wird es im Vorfeld eine einjährige Pilotphase geben, die voraussichtlich Ende 2028 beginnt.
Diese Pilotphase soll dazu dienen, den Übergang und die technischen Vorbereitungen sowohl für den Bankensektor als auch für die Aufsichtsbehörden einfacher und effizienter zu gestalten (Abbildung 1).
Zwar wurde der Berichtsbeginn von IReF jetzt um fast zwei Jahre auf Ende 2029 verschoben. Bei genauerer Betrachtung der neuen Timeline wird aber deutlich, dass die Systeme und Prozesse bei den Banken bereits zum Start der Pilotphase Ende 2028 „IReF-ready“ sein sollten.
Die Herausforderungen durch IReF
IReF erfordert eine umfassende Anpassung der bankinternen Systeme und Prozesse und wird Auswirkungen auf viele Bereiche der Gesamtbank haben.
Entscheidend für eine reibungslose Umsetzung ist das Verständnis dafür, worin die zentralen Herausforderungen bestehen und welche Handlungsfelder und Maßnahmen erforderlich sind, um IReF erfolgreich umzusetzen. Dabei ist es wichtig, nicht nur IReF im Blick zu haben, sondern bereits jetzt die IT-Systeme, Prozesse und Organisation strategisch auf das europäische Integrierte Reporting System (IRS) auszurichten.
Wir sehen folgende zentrale Herausforderungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung von IReF gelöst werden müssen.
| Einheitliches und umfassendes Datenmodell
Das Reporting muss künftig auf einem gemeinsamen Datenmodell erfolgen. Es muss kompatibel zu BIRD sein und alle Informationen für die statistischen und aufsichtsrechtlichen Meldungen und die Daten für die Abwicklung umfassen. |
Koexistenz
Templatebasiertes und granulares Meldewesen müssen friktionsfrei und effizient zusammen funktionieren. IRS muss bereits im Lösungsansatz berücksichtigt sein. |
| Datenqualität
Datenqualitätsprüfungen und geeignete Korrekturmöglichkeiten müssen sicherstellen, dass die Datenqualität zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Prozesskette erzeugt wird. Manuelle Korrekturen am Ende der Prozesskette werden künftig nicht mehr möglich sein. |
Performance
Die hohen Datenvolumina für das granulare Meldewesen müssen in allen Prozessschritten performant verarbeitet werden. Die IT-Systeme müssen Skalierungsmöglichkeiten bereitstellen. |
| Integration zentraler Methoden
Auch künftig müssen zentrale Methoden in die Berechnungsabläufe integriert werden können, um die Eingangsdaten gemäß den regulatorischen Vorgaben anzureichern. Beispiele hierfür sind die Sicherheitenverteilung, die Belastungsberechnung, die RWA-Berechnung, die SA-CCR Berechnung etc. |
Organisation und Mitarbeitende
Perspektivisch ist eine engere organisatorische Verzahnung von Meldewesen und Gesamtbank-steuerung erforderlich. Die Datenanalysekompetenz bei den Mitarbeitenden im Meldewesen muss ausgebaut werden. |
| Mehrwerte
Banken, die ihren Datenschatz nutzen, können Mehrwerte für sich heben: Analysemöglichkeiten, KPIs, einfacher Zugriff auf die Daten, Unterstützung von BI-Lösungen, Management Dashboards, einfaches Reporting, automatisierte Prozesse oder die Nutzung der Daten für KI-Auswertungen. |
Synergien
Institute, die IReF als Chance sehen, ihre Finanzarchitektur für Meldewesen und Risikomanagement strategisch neu auszurichten, profitieren von einer besseren Steuerungsfähigkeit, höherer Flexibilität und niedrigeren Weiterentwicklungskosten. |
Unsere Handlungsempfehlungen für die wichtigsten Projekte und Maßnahmen für eine reibungslose Umsetzung von IReF
Um die oben genannten Herausforderungen zu meistern, bedarf es einer Kombination von IT-Modernisierung, Prozessanpassungen und Kompetenzaufbau in der Organisation. Nachfolgend haben wir die hierfür aus unserer Sicht wichtigsten Projekte, Projektziele und Maßnahmen aufgeführt.
IReF wird kommen, Banken sollten nicht abwarten, sondern die gewonnene Zeit nutzen und bereits jetzt handeln, um die mit IReF und IRS verbundenen Herausforderungen proaktiv anzugehen.
Mit diesen Handlungsempfehlungen und dem frühzeitigen Beginn werden Banken die Umstellung auf IReF meistern und von einer effizienten Berichterstattung langfristig profitieren.
