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Sustainable Banking - Banken stellen sich der Transformationsaufgabe

Der Klimawandel kommt schneller als vermutet mit schon heute erlebbaren katastrophalen Folgen. Im Rahmen der aktuellen Studie „Sustainable Banking“ wurde untersucht, in welchem Umfang die Bankenbranche ihre Rolle bei der Transformation der Volkswirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit erkannt hat und wahrnimmt. Die Konsequenzen für die Institute sind sehr weitreichend, und sie betreffen sowohl die Geschäfts- und Risikostrategie als auch das Risikomanagement, die Produkt- und Preispolitik und reichen bis zum Außenauftritt und der Offenlegung.

01/28/22
Nachhaltigkeit
Sustainable Banking - Banken stellen sich der Transformationsaufgabe

Auszug aus dem Fachartikel „Sustainable Banking – Banken stellen sich der Transformationsaufgabe“

Verursacher des Klimawandels ist der Mensch, wie der Bericht des Weltklimarats im August 2021 zweifelsfrei nachgewiesen hat. Extremwetterereignisse wie die Hitzewellen des Sommers 2021 in Nordamerika und Südosteuropa, der Starkregen in Deutschland im Juli 2021 und jüngst im Dezember die Tornados in Kentucky führen uns die physischen Risken unmissverständlich vor Augen.

Nachhaltigkeit ist fundamental für die Bankwirtschaft

Die ESG-Risiken (Environment, Social, Governance) treffen die Institute in doppelter Hinsicht. Erstens wirken die ESG-Risiken auf das Kerngeschäft, da Vertragspartner, insbesondere Firmenkunden, unterschiedlichen physischen und transitorischen Risiken
ausgesetzt sind:

  • Überflutungen können den zentralen Produktionsstandort eines Firmenkunden gefährden,
  • staatliche Regulierung greift in die Produktpolitik ein (Plastikproduktion, Dieselmotoren), und
  • die Kundenpräferenzen können sich als Reaktion auf den Klimawandel und die Umweltverschmutzung (Stichwort: „Billig-
    fleisch“) ändern.

Zweitens beeinflussen die Institute über die Kreditvergabeentscheidung maßgeblich, welche Investitionen finanziert werden. Der Umbau der Volkswirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit ist folglich in einem hohen Maß mit der Kreditpolitik der Bankwirtschaft verknüpft. Die Anlageseite ist kunden- und bankenseitig gleichermaßen tangiert. Schon länger boomt die Nachfrage nach Green Bonds und Green ETFs, verbunden mit der zentralen Frage, ob der verbriefte Inhalt auch tatsächlich „grün“ ist.

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft die Institute damit keineswegs nur im Außenauftritt. Die Studie zum „Sustainable Banking“ untersuchte deshalb auch die Kreditvergabeentscheidung samt Anpassungen im Rating und Pricing und im Vertriebsprozess, die Folgen für das Risikomanagement, das die einzelnen klassischen Risiken jeweils um Nachhaltigkeitsrisiken ergänzen muss, die Ermittlung neuer Kennzahlen, wie die Green-Asset-Ratio (GAR) in der Offenlegung, und schließlich auch das Geschäftsmodell.

Die etablierten Institute sehen sich einem geänderten Kundenverhalten und einem rasanten Wachstum der Ökobanken gegenüber – an der Geschäftsstrategie geht das nicht spurlos vorbei. Viele Institute, die den Umbau zu mehr Nachhaltigkeit vorantreiben wollen, sehen sich jedoch mit mehreren Hemmnissen, etwa im Personal- und IT-Bereich, konfrontiert. […]

Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit wird nicht nur die Institute, sondern die Volkswirtschaften weltweit in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen. Die Studie macht aber auch Hoffnung. Die Kreditwirtschaft scheint ihre Schlüsselrolle bei der Transformation der Wirtschaft erkannt und angenommen zu haben. Sie hat sich auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit gemacht, speziell bezogen auf den Klimawandel. Einige Geschäftsmodelle sind bereits sehr innovativ und auch kaufmännisch erfolgreich aufgesetzt worden. Am Ziel sind die Institute natürlich noch lange nicht, ebenso wenig wie die Politik. Die Regulatorik macht ebenfalls zunehmend Druck – auch wenn der Detaillierungsgrad der europäischen Behörden an mancher Stelle (siehe EU-Taxonomie) erhebliche Umsetzungsprobleme bereitet. Das BaFin- Merkblatt lässt hier mehr Spielräume.

Insgesamt zeigt sich, welch enorme Kraftanstrengung in den nächsten Jahren auf die Volkswirtschaft und namentlich die Kreditinstitute zukommt. Die Zeit drängt. Hoffen wir gemeinsam, dass die Bemühungen rechtzeitig zum Erfolg führen. Nur dann haben nachfolgende Generationen eine lebenswerte Zukunft vor sich.

Weitere Fachbeiträge von Prof. Dr. Konrad Wimmer

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