Blick ins Buch
Die Regulatorik erreicht zusehends auch die Themen der betriebswirtschaftlichen Erfolgsrechnung und damit die Bankkalkulation. Waren vor einigen Jahren die Themen der Investitionsrechnung und der Regulatorik noch weit voneinander entfernt, so rücken sie nun immer stärker zusammen. Kompakt zusammengefasst, fordert nun auch die Bankenaufsicht eine nachhaltige Geschäftsstrategie ein. Kein Problem, sollte man meinen, wenn die Bank ihre Ertrags- und Risikosituation gut im Griff hat. In der Folge müssen insbesondere auch Kreditentscheidungskalküle in Banken breiter gedacht werden als früher. Ein Umstand, der die Komplexität im Controlling nicht gerade vereinfacht.
Diesem Sachverhalt trägt die inzwischen 4. Neuauflage des Fachbuchs Bankkalkulation und Risikomanagement von Wimmer spürbar Rechnung. Und so beinhaltet diese neben den klassischen Themen der betriebswirtschaftlichen Bankkalkulation (Barwertkonzept, Kalkulation von Betriebskosten, Interpretation von Konditions- und Strukturbeiträgen, Nettomargenrechnung etc.) umfangreichere Ausführungen zu den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Bankkalkulation. Das Trendthema Nachhaltigkeit (ESG-Faktoren) findet dabei in diesem Kompendium ebenso seinen Platz wie die EBA-Guidelines on loan origination and monitoring, die aktuell in die MaRisk-Novelle einfließen und unter anderem die Anforderungen an das Pricing von Krediten erweitern.
Der Autor zeigt dabei auf, dass die etablierten betriebswirtschaftlichen Grundlagen nach wie vor ihre Gültigkeit haben und vergleichsweise einfach an die neue Gesamtlage angepasst werden können. Spannend dürfte dabei sein, welche Rolle zukünftig das auch durch die Aufsicht unter anderem in den EBA-Guidelines aufgeworfene Thema der Expected Cashflows spielen wird. Hier gibt der Autor einen sehr guten Einstieg und beleuchtet dabei auch die Konsequenzen, die sich bei Verwendung eines derartigen Ansatzes ergeben. Spätestens hier lässt sich die Bankkalkulation nur noch zusammen mit dem Risikomanagement und damit der Gesamtbanksteuerung denken, um nicht unbedacht Fehlsteuerungspotenziale für die Ertrags- und Performancerechnung abzuleiten.
An wen richtet sich das Fachbuch „Bankkalkulation und Risikomanagement“?
Eine Vielzahl an Fußnoten macht deutlich, dass es dem Autor des ursprünglich als Dissertation erschienenen Werks nach wie vor auf die Qualität und den wissenschaftlichen Anspruch seiner Ausführungen ankommt. Dieser Anspruch bringt den Vorteil mit sich, dass bei Bedarf auch die notwendigen Einzelheiten vollständig nachvollzogen werden können. Im Zweifel kommt es eben doch auf die Details an. Positiv anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass das Werk viele Rechenbeispiele und Berechnungsschemata enthält, die den Einstieg in die jeweilige Thematik deutlich erleichtern.
Fazit
Insbesondere mit der umfassenden Einordnung der Bankkalkulation in die Themen der Gesamtbanksteuerung liefert die 4. Auflage einen deutlichen Mehrwert im Vergleich zu den vorangegangenen Ausgaben. Für Neulinge und Wiedereinsteiger bietet das Buch einen sehr guten Einstieg in die Steuerung und das Controlling von Kreditinstituten – und darüber hinaus einen umfassenden Überblick, der auch für erfahrene Praktiker aus anderen Fachbereichen der Bank interessant sein dürfte.
Infos zum Buch
Der regulatorische Druck im Bankbereich steigt weiter und hat neben Geschäftsmodellen und der Profitabilität auch die Kalkulationsmethodik erreicht – etwa mit Blick auf den SREP oder die EBA Guideline on loan origination and monitoring.
Was die Bankkalkulation als ein Kernstück des Bankcontrollings und der Banksteuerung heute bestimmt, zeigt Ihnen die umfassend aktualisierte 4. Auflage dieses Praxisbuchs.
- Grundlagen und Aufgaben der Bankkalkulation
- Bruttomargenermittlung im Festzinsgeschäft, unsichere (variable) Zinsgeschäfte und Nettomargenermittlung in der Einzelgeschäftskalkulation
- Bestandteile der Banksteuerung und konzeptioneller Rahmen
- Banksteuerung und Risikomanagement
Mit wichtigen Erweiterungen u. a. zu ESGFaktoren etwa beim Pricing von Krediten oder zum Risikomanagement.
