Welche komplexen Herausforderungen in Finance, Risk und Compliance gilt es zu meistern?
Die Herausforderungen für Banken in den Themenbereichen Finance, Risikomanagement, Meldewesen und Compliance sind seit Jahren anspruchsvoll. Wir haben mit Experten aus der Branche Banking über die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen in diesen Themengebieten gesprochen und gefragt, wie Banken mit ihnen umgehen. Den Anfang macht Peter Mock, Mitglied der Geschäftsleitung sowie Leiter Risikomanagement und Finanzen (CRO und CFO) der Migros Bank.
Obwohl unsere Bank mit einem äußerst gut diversifizierten Kundenportfolio und klarem Fokus auf die Schweiz ein sehr stabiles und risikoarmes Geschäft betreibt, ist eine vorausschauende Bilanzplanung wichtiger denn je, denn die Situation von Banken hat sich seit der Zinswende grundlegend verändert.
Stolz sind wir darauf, zusammen mit der Schweizer Nationalbank als erste nicht systemrelevante Bank ein Liquiditätsnotfallprogramm aufzusetzen, das auch landesweit ausgerollt wird.
Die Transparenz betrifft zum Beispiel das Zinsrisiko. Das Zinseinkommen ist unsere hauptsächliche Einnahmequelle, und hier sind wir in der Lage bessere Prognosen zu machen als früher. Besser im Sinne von: Was passiert aufgrund welcher Einflussgrößen mit der Bilanz und mit der Erfolgsrechnung? Wir haben jeden Monat eine neue Prognose bis zum Jahresende und können so unser Budget zeitnah tracken. Wir können beurteilen, wo wir noch ein bisschen zulegen müssen oder was wir vorziehen können und wo wir unsere Ausgaben steuern müssen. Das gibt uns eine große Flexibilität und wir können unseren Geschäftsgang dem anpassen, was wir für das Jahresende erwarten. Diese Möglichkeit hatten wir früher nicht. Gerade in der aktuellen Marktsituation ist dies hochinteressant: In den vergangenen Jahren waren Abweichungen vom ursprünglichen Budget stets klein. Aber jetzt gibt es sehr viele Effekte, die das Jahresergebnis enorm beeinflussen können. Auch wenn wir schon jetzt adäquate Schätzungen erstellen, so wollen wir noch umfassender, integrierter und automatisierter werden.
Aber weil unser Geschäft nicht wie bei einer Privatbank von wenigen, dafür großen Kunden getrieben wird, ist die Herausforderung für uns ungleich grösser, aus dem Massengeschäft alle aus Geldwäscherei Perspektive verdächtigen Transaktionen zu identifizieren. Damit wir auch Kleinsparern ein attraktives Angebot bieten können, ohne dass diese für uns zur Kostenfalle für die Bank werden, sind wir auch bei der Compliance und insbesondere im Bereich der Geldwäscherei auf höchste Effizienz angewiesen. Effizienz und Skalierbarkeit mit höchster Qualität zu verbinden ist sicher eine unserer zentralen Herausforderungen.
Teilweise erhalte ich den Eindruck, dass Regulatoren es lieber sehen, wenn Banken keine künstliche Intelligenz anwenden würden. Diesen Aspekt würde ich differenzierter betrachten: Mit KI nimmt auch die Gefahr von Phishing-Mails und anderen Formen der Cyber-Kriminalität zu. Wenn die Finanzinstitute sich nicht selbst mit dem Thema befassen, dann verfügen sie nicht über das nötige Know-how, entsprechende Angriffe abzuwehren. Aus diesem Grund halte ich die Anwendung von künstlicher Intelligenz seitens der Banken als zentrales Element der Risikovermeidung. Professor Leimeister von der Universität St. Gallen nannte folgende treffende Analogie: „Wenn die Zahnpasta mal aus der Tube raus ist, bekommt man sie nicht wieder rein.“ Das heißt, die Banken kommen nicht umhin mitzumachen.
Eine der wichtigsten Aufgaben einer Geschäftsleitung ist die Zuordnung von Ressourcen. Eine Bank funktioniert am besten, wenn alle Ressourcen optimal aufeinander abgestimmt sind. Die richtige Balance zu finden, ist weitaus anspruchsvoller, als dies den Anschein haben mag. Gerade dieses Spannungsfeld gefällt mir sehr gut.
