Banking der Zukunft – das Interview.
Natalie Lorenz und Christian Dechert am 02.03.2022 im Gespräch mit Silke Schneider-Wild, Mitglied des Vorstands, Sparda-Bank München eG.
Unsere Mitarbeitenden im Vertrieb werden mit verschiedenen Schulungsmaßnahmen zum „achtsamen“ Verkaufen unterstützt. Das heißt, dass sie mit den Kundinnen und Kunden denken, statt über oder für die Kundinnen und Kunden. Sie konzentrieren sich komplett auf die Kundinnen und Kunden, um die passende Lösung für ihre Bedarfssituation zu finden; das ist keine schnelle Null-acht-fünfzehn-Beratung.
Mit diesen beiden Themen – Gemeinwohlorientierung und achtsames Verkaufen mit Fokus auf die Kundinnen und Kunden – heben wir uns von anderen Anbietern ab. Ich meine, das kommt bei der Generation Y und Z auch gut an. Aber zuerst gilt es, sie auf uns aufmerksam zu machen, damit sie zu uns in die Filialen kommen oder unser digitales Beratungsangebot nutzen.
Menschenförderung und Persönlichkeitsweiterentwicklung ist bei uns ein Aspekt von New Work. Aber es gibt auch das Thema Arbeitsplätze. Wir haben ein Projekt zu neuen Arbeitswelten. Hier geht es um flexible Arbeitsplätze und um offene Büroflächen mit Kaffeeküchen in der Mitte, an denen sich die Menschen begegnen können. Seit Beginn der CovId-19-Pandemie hat sich außerdem viel in Richtung mobiles Arbeiten entwickelt. 90 % unserer Mitarbeitenden können mittlerweile Mobile-Work- Möglichkeiten nutzen.
Die Herausforderung ist jetzt, diejenigen, die sich im Homeoffice gut eingerichtet haben, wieder ins Büro zu bekommen und ihnen einen Mehrwert aufzuzeigen, wieso es sich lohnt, doch ab und an auch im Büro vor Ort zu sein. Auch wir werden das Rad natürlich nicht zurückdrehen. Ich meine, im Durchschnitt wären drei Tage mobil und zwei Tage vor Ort zu arbeiten, realistisch umzusetzen. Aber es gibt auch Menschen, die seit zwei Jahren vielleicht vier Mal in der Bank waren, und das ist einfach zu wenig. Irgendwann muss das Team auch mal zusammenkommen. Wir brauchen auch wieder den direkten Austausch, die spontanen Gespräche an der Kaffeemaschine.
Frauen positionieren sich häufig zu wenig selbstbewusst, stellen ihr eigenes Können und ihre eigenen Fertigkeiten unter den Scheffel. Männer sagen häufig: Hallo, hier bin ich und ich mache jetzt. Und manchmal stellt man fest, dass nicht viel dahinter ist. Frauen sagen häufig: Ich weiß nicht, ob ich das kann, ich kann es ja mal versuchen. Und nachher stellt man fest, dass sie schon von Anfang an wussten, wie es geht. Viele Frauen sind keine Alpha-Tierchen. Wenn man als Frau aber überzeugend und selbstbewusst sagt, ja, ich mache das und ich schaffe das und ich kann das, gib her, dann kommt man auch in dieser Männerdomäne ganz gut klar. Bei mir hat es jedenfalls so funktioniert.
Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Sie einen Tick mehr kämpfen mussten, um sich durchzusetzen?
Doch, ja, das schon. Man muss als Frau schon auffallen und braucht ein bisschen mehr fachliche Kompetenz als die Männer, um überhaupt in eine Führungsrolle zu kommen. Wenn man es aber geschafft hat, sich mit ein, zwei Themen mit einem sehr guten Ergebnis zu positionieren, dann wird es einfacher. Aber der Weg dorthin ist gefühlt schon schwieriger, definitiv.
Wenn man eine weibliche Führungskraft hat, hat man es oft leichter. Die geben in der Regel einen Anschub. Ich mache das auch so. In meinem Vorstandsressort gibt es Bereichsleiterinnen in den Bereichen Steuerung und Recht und Organisation sowie eine Abteilungsleiterin Organisation und eine Abteilungsleiterin Recht. Und zwar nicht, weil ich bewusst nur Frauen wollte, sondern weil sie von den Qualifikationen her einfach besser geeignet waren. Und klar, die fördere ich dann auch.
Was halten Sie von einer Frauenquote?
Ich bin kein Fan von Quoten und ich mag diese Frauenquote überhaupt nicht. Wenn es eine Quote gibt, dann weiß man nie, ob eine Frau nur deshalb in der Führungsposition ist, weil die Quote erfüllt werden musste, oder weil tatsächlich die richtigen Menschen an der richtigen Stelle sind. Und es kann natürlich auch nicht sein, dass eine Frau den Job bekommt, wenn ein Mann besser qualifiziert ist.
Die Sparda-Bank München eG ist bereits seit 2014 betriebsökologisch klimaneutral. Wir kaufen ausschließlich Ökostrom, auch in der jetzigen Energiekrise. Wir haben schon lange eine Ladesäule für unsere Kundinnen und Kunden auf dem Parkplatz und Ladesäulen für die E-Autos der Beschäftigten sowie eine öffentlich zugängliche E-Ladesäule für E-Bikes. Mittlerweile schaffen wir auch Firmenwagen der Vorstände und Bereichsleiter ab, letztlich fahren viele mit der Bahn. Alle Leasings, die in den nächsten ein, zwei, drei Jahren auslaufen, werden nicht mehr ersetzt. Das sind die Dinge, die relativ einfach umzusetzen sind.
Schwieriger ist, vor allen Dingen auch für eine Retail-Bank wie uns, das Thema Produkte für Kundinnen und Kunden. Klar kann ich „klimaneutral“ ans Konto schreiben. Den Trend erleben wir gerade, nicht nur in der Bankenbranche, plötzlich sind viele Produkte klimaneutral. Die Frage ist dann aber, was macht die Klimaneutralität aus, wie entsteht sie, was gehört dazu? Da ist der Weg zum Green-Washing nicht mehr weit. Deshalb diskutieren wir intern gerade verschiedene Ideen, um auch hier als Deutschlands erste Gemeinwohl-Bank einen überzeugenden Unterschied zu machen und unseren Kundinnen und Kunden echte Mehrwerte zu bieten.
Mit der Gründung unserer Tochtergesellschaft LENA Nachhaltigkeits GmbH haben wir 2020 einen wichtigen Baustein hinzugefügt. LENA bedeutet: Lieber eine nachhaltige Alternative. Sie ist eine Plattform, die alles zum Thema Nachhaltigkeit vereint. LENA bietet allen, die sich auf der Plattform anmelden, nachhaltige Alternativen zu konventionellen Lösungen an. Es gibt viele Infos, wie man den eigenen CO2-Ausstoß vermindern, Wasser sparen oder nachhaltiger leben kann. Über einen Shop kann man auch bei zertifizierten Händlerinnen und Händlern einkaufen. Das sind zum Beispiel Bio-Landwirtschaftsbetriebe um die Ecke, aber das sind auch regional oder überregional nachhaltig tätige größere Unternehmen. Hier prüfen wir gerade, wie wir das Angebot von LENA weiter ausbauen können.
