Blog (custom content)

Interview mit Dr. Frank Schlottmann über die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bankenbranche

Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Schlottmann stellt im Interview seine Sicht auf die Entwicklungen in der Bankenbranche vor und erörtert, wie msg for banking als erfahrenes Software- und Beratungsunternehmen die Institute für die Zukunft stärken kann.

07/30/24
Banksteuerung, Compliance, Künstliche Intelligenz, Pricing, Risikomanagement
Interview mit Dr. Frank Schlottmann über die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bankenbranche

Zinswende, ESG und künstliche Intelligenz – die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bankenbranche

Die Herausforderungen für Kreditinstitute in den Themenbereichen Finance, Risikomanagement, Meldewesen und Compliance sind seit Jahren anspruchsvoll. Wir haben mit Experten aus der Branche Banking über die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen in diesen Bereichen gesprochen und gefragt, wie Banken mit ihnen umgehen. Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Schlottmann stellt seine Sicht auf die Entwicklungen in der Bankenbranche vor und erörtert, wie msg for banking als erfahrenes Software- und Beratungsunternehmen die Institute für die Zukunft stärken kann.

Die EU hat in ihrer Taxonomie für Nachhaltigkeit die Rüstungsgüterhersteller bislang als „braun“, also „nicht grün“ klassifiziert. Das muss in der heutigen Zeit neu gedacht werden. Es existieren große Finanzierungsbedarfe für die Investitionen in Verteidigung und damit in unsere Freiheit. In der Gesellschaft hat sich das Bewusstsein für das Thema Verteidigung gewandelt. Insofern müssen wir unsere Sicht auf die Nachhaltigkeit der Verteidigungsindustrie völlig neu denken.

Leider fehlen die Mittel, die in Verteidigung investiert werden müssen, für die Finanzierung der Transformation des Klimawandels – das ist völlig unstrittig. Die Staaten haben auch nur begrenzte Mittel und die Belastungsfähigkeit der Wirtschaft und Gesellschaft ist ebenfalls begrenzt.

Es ist bei den begrenzten Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, umso wichtiger, die Transformation zu einer nachhaltigeren Welt in der Banksteuerung zu berücksichtigen. Das reflektieren die MaRisk, die mit der siebten Novellierung auch das Thema Nachhaltigkeit in die Säule 2 integriert haben. Nachhaltigkeit wirkt sich unter anderem auf die Themen Risikomanagement und Bepreisung von Geschäften in der Bank aus. Im Laufe der Zeit wurden die Anforderungen immer weiter verfeinert. Banken müssen die notwendigen Datenquellen identifizieren, ihre eigene Datenbasis verbessern, geeignete externe Datenquellen heranziehen und auch über das Pooling von Daten entscheiden.



Das Thema künstliche Intelligenz als leistungsfähige Technologie im Rahmen der gerade laufenden kognitiven Revolution ist bei der Bankenaufsicht salonfähig für die Anwendung im Banking geworden. Das betrifft zum einen das Frontoffice der Bank, also Digitalisierung und Assistenzmöglichkeiten an der Kundenschnittstelle, 24/7-Beratung mit Hilfe von digitalen Assistenten, etc., außerdem die Steuerung der Bank an der Kundenschnittstelle, zum Beispiel Vorschläge, wem die Bank welches Produkt als nächstes anbietet.

Und zum anderen sind das Middle- und Backoffice betroffen, beispielsweise bei der Dunkelverarbeitung von Krediten im Backoffice. Auch im Risikomanagement und in der Banksteuerung kann KI eingesetzt werden. Hier wurde in jüngeren MaRisk-Novellen explizit künstliche Intelligenz für die Modellbildung zugelassen. Der Einsatz von KI in Kreditinstituten, speziell auch im risikosensitiven Bereich, erfordert jedoch KI-Methodiken, die Nachvollziehbarkeit mit sich bringen, um zu erkennen, welchen Output das Modell aus welchem Grund produziert. Das kann mit neueren Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz erfüllt werden.

Abschließend erwarten wir, dass das Thema ESG bei der Aufsicht weiterhin eine große Bedeutung behält. Das wird die Institute vor die Herausforderung stellen, die Nachhaltigkeitsdaten, die ihnen nicht zur Verfügung stehen, extern zu beschaffen. Sie müssen die eigene Datenbasis verbessern und dafür sorgen, dass die relevanten Daten verarbeitet werden können. Idealerweise in Neartime oder gar in Echtzeit, wenn man beispielsweise an die Bepreisung von Kreditgeschäften denkt.

Wir gehen davon aus, dass die aggregierten Meldepositionen in Zukunft in granulare Daten zerlegt und schrittweise an die Bankaufsicht übermittelt werden müssen. Diesen Transformationsprozess unterstützen wir sowohl mit digitalen Lösungen als auch personell.

Wir sind uns bewusst, dass die Umstellung des Meldewesens auf granulare Daten ein großes Vorhaben ist. Und wir sind uns auch bewusst, dass das sehr weitreichende finanzielle und strukturelle Auswirkungen auf die Kreditwirtschaft in den kommenden Jahren haben wird.

Wir schauen aber nicht nur auf die Anti Financial Crime Compliance als eines unserer Schwerpunktthemen, sondern wir beachten auch die gesamte Regulatory Compliance, also die Notwendigkeit, regulatorische Vorgaben zu erfüllen. Das umfasst insbesondere die Compliance zu den Regelungen in den drei Baseler-Säulen mit den jeweiligen Ausprägungen in Europa und speziell in Deutschland. Das schließt auch, wie gerade erwähnt, Anti Financial Crime ein. Hier unterstützen wir mit Beratungsleistungen, Softwarelösungen, digitalen Services und zukünftig auch mit neuen, auf künstlicher Intelligenz basierenden Services.

Unser Compliance-Lösungsangebot umfasst außerdem die Unterstützung der internen Revision bei der Überprüfung der gesamtheitlichen Compliance in den Instituten. Und es umfasst die prüfungsnahe Beratung, das heißt insbesondere die Erfüllung der notwendigen Anforderungen, damit Prüfungen seitens der Bankaufsicht erfolgreich verlaufen. In diesem Prozess unterstützen wir vor der Prüfung, während der Prüfung und auch bei der Abarbeitung von Prüfungsfeststellungen.

Es sind auch Überraschungen aufgetreten. Wer hätte gedacht, dass es innerhalb weniger Wochen einen so großen Zinsanstieg gibt, wie bei der Zinswende. Wir können davon ausgehen, dass unter normalen Umständen – das heißt, wenn keine konflikt- oder andersinduzierte Ausnahmesituation entsteht – die Zinsen durch die Zentralbanken weiter mit Augenmaß gesteuert und bei Bedarf sukzessiv verändert werden. Trotzdem sind das Zinsänderungs- und das Creditspreadrisiko sehr wichtige Risikoarten. Insofern bieten sich Chancen zur Ertragsgenerierung, sowohl im Kundengeschäft als auch im Kapitalmarktgeschäft unter Berücksichtigung der jeweiligen Risikosicht und integriert in eine gute Steuerung.

Auch beim Kreditrisikomanagement gibt es neben Risiken auch Chancen.. Die Statistiken der amtlichen Institutionen und der Deutschen Bundesbank zeigen steigende Ausfallraten von Kreditnehmern in Deutschland. Das bedeutet, dass die Ergebnissicherung große Bedeutung hat. Aktive Steuerungsmaßnahmen zur Absicherung oder zum Transfer von Portfolien bieten Möglichkeiten, die eigene Positionierung im Risk-Return-Diagramm bewusst zu verändern.

Und dann bietet meiner Meinung nach der Trend zu Customer-Centric- and Data-Driven-Enterprise, also zu Kunden- und datenzentrierten Organisatio- nen im Banking, eine riesige Chance. Aufgrund der Möglichkeiten und der Informationen, die Banken über ihre Kunden haben, lohnt es sich, die Kunden in den Mittelpunkt zu rücken und mit diesem Know-how direkten Kundennutzen zu stiften. Dabei können Banken ihre eigenen Datenschätze sowohl zu Zwecken der eigenen Steuerung, als auch zum Wohle des Kunden verwerten, sodass eine Win-win-Situation entsteht.

Banken können in eine stärkere Kundenzentrierung, in stärkere Datenzentrierung und in den Einsatz von künstlicher Intelligenz investieren und sowohl effektiver als auch effizienter werden. Effektiv bedeutet hierbei, den Kunden stärker an sich zu binden, größeren Kundennutzen zu stiften und die Organisation voll auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Effizient zielt darauf, eine bessere Cost-Income-Ratio zu erreichen und insgesamt auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben wir ein riesiges Potenzial für einen „Effizienz-Boost“. Banken können mit den Erträgen aus den Geschäftsmodellen, die aufgrund der heutigen Zinssituation gut funktionieren, die notwendige Transformation finanzieren. Sie können jetzt an der Effizienzsteigerung mittels Digitalisierung arbeiten und den Fachkräftemangel auch durch Einsatz von künstlicher Intelligenz bekämpfen. Das bietet für die Institute die Chance, Banking auch in der Zukunft erfolgreich zu machen.