Blog (custom content)

Interview: Fünf Fragen an Dr. Frank Schlottmann

„Banking is necessary – banks are not. Wie sehen Sie das, Dr. Frank Schlottmann?" Die Antwort auf diese und weitere Fragen lesen Sie in unserer Interviewreihe "Banking der Zukunft" - persönlich, fundiert und prägnant. Vielen Dank an Dr. Frank Schlottmann für das spannende Interview.

08/30/21
Banking der Zukunft, Digitalisierung, Strategie, Vertrieb
Interview: Fünf Fragen an Dr. Frank Schlottmann

Banking der Zukunft – das Interview.

Natalie Lorenz im August 2021 im Gespräch mit Frank Schlottmann, Vorstandsvorsitzender, msg GillardonBSM AG.

In diesem permanenten Wettrüsten zwischen Angreifern und Abwehrmechanismen können sich Banken mit entsprechender Fokussierung sehr erfolgreich als vertrauensvoller Partner ihrer Kunden festigen. Ich spreche das an, weil mit den wettbewerbsfördernden Maßnahmen der PSD2 leider auch die Einfallstore für Kriminelle deutlich weiter geöffnet werden, sodass gerade die Banken selbst sich durch eigene attraktive und sichere Angebote besser im Open-Banking-Wettbewerb differenzieren können.

Bei regional orientierten Banking-Anbietern wie z. B. Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind übrigens im Digitalisierungszeitalter immer noch lokale Kooperationen mit Anbietern sinnvoll, die von jungen Menschen in der Region gerne genutzt werden. Das haben die Institute früher auch schon gemacht – heute ist es ergänzend sehr sinnvoll, solche Angebote und Services rund um Freizeit, Sport, Veranstaltungen usw. auch auf regional orientierten Plattformen im Web anzubieten.

Banking muss zuallererst digital auf den Devices stattfinden, die die jungen Menschen nutzen. Die Filiale als Warenhaus und Kauferlebnisort hat ausgedient. Als Kompetenzzentrum für professionelle Beratung haben stationäre Touchpoints neben Videoberatung immer noch eine Existenzberechtigung. Vor allem, wenn es um „Once in a lifetime“- Angelegenheiten wie Vorsorge und Finanzierung geht, die hohe Beratungskompetenz und hohes Vertrauen erfordern.

Die jungen Generationen achten sehr stark auf Nachhaltigkeit, daher ist aus meiner Sicht das vorhin zur Customer Experience Gesagte umso wichtiger, je jünger die Kundin oder der Kunde ist.

Trotz Digitalisierung haben junge Menschen in bestimmten Lebensabschnitten unveränderten Bedarf an eigentlich ganz einfachen Bankprodukten und -dienstleistungen sowie an ebenso einfachen Versicherungsprodukten. Es geht also wie früher im Wesentlichen darum, die Zielgruppe über die richtigen Kanäle anzusprechen und dann eine Vertrauensbeziehung aufzubauen. Hier sind Finanzdienstleister nach wie vor unentbehrlich, auch die „klassischen Banken“. Nur die Kanäle und die Ansprache sind heute anders.

Erfolgskritische Voraussetzung ist in jedem Fall die explizite Einwilligung der jeweils relevanten Personen für die Datenverwendung durch Mehrwertdienste, eine Möglichkeit für sie zur Gewinnung von Transparenz über die konkrete Datennutzung und die jederzeitige Widerrufbarkeit der gegebenen Einwilligung zur Datenverwendung.

Die Motoren vieler Automodelle verschiedener Hersteller werden seit einigen Jahren mit dem Start- Knopf ausgeschaltet. Offensichtlich ist es also so, dass man provokante Aussagen und Erkenntnisse von Technologieunternehme(r)n durchaus als Ansporn verstehen sollte, über kundenorientierte Innovationen in der eigenen Non-Tech-Branche ernsthaft nachzudenken. Da Banking ohnehin weitgehend digital abläuft, gilt diese Erkenntnis umso mehr für Banken. Wir müssen uns in der Banking-Branche jeden Tag ernsthaft mit Technologietrends sowie den Bedarfen und dem Nutzerverhalten von Digital Natives auseinandersetzen und daraus ableiten, wie wir die Bankprodukte und die Bankprozesse so gestalten, dass Banken nicht nur notwendig sind, sondern führend im Banking.

Notwendig sind Banken übrigens, hier hat Bill Gates genau wie bei seinem Zitat bezüglich des durchaus ebenfalls stark regulierten Automobilbranchensegments ignoriert, dass nicht einfach jeder beliebige Anbieter jedes Finanzprodukt einfach per Vertrieb unters Volk bringen kann. Das Beispiel Zahlungsdiensteanbieter zeigt allerdings trotz Regulatorik, wie schmerzhaft die Auswirkungen des Postulats von Bill Gates werden können, wenn früher sehr profitable Banking-Teilmärkte mangels Innovation an neue Nischenplayer abwandern. Insofern hat sich – ex post gesehen – auch im Banking das genannte Zitat als richtig erwiesen.

Aus den Erfahrungen der großen Technologiefirmen können wir im Banking adaptieren, dass man Innovationen nicht jahrelang individuell erfinden und entwickeln muss, sondern gerade im Technologieumfeld schneller und effizienter über Standardisierung, Partnerschaften und Zukäufe agiert. Viele der Tech-Giganten, auch die deutsche SAP als globales Softwareunternehmen, sind sehr erfolgreich damit. Diese Vorgehensweisen können Banken auch anwenden, um ihre Geschäftsmodelle zukunftsweisend zu transformieren.

Insofern möchte ich Bill Gates antworten: „Innovation in banking is necessary – and banks will successfully transform their business.“