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Interview: "Wie werden Captives gesteuert, Herr Dr. Wittig?"

<b>NEWS 03/2024</b><br><br>Dr. Thomas Wittig war jahrzehntelang als Führungskraft für die BMW Group tätig. Unter anderem verantwortete er den Konzernabschluss und in den letzten Jahren vor seinem Eintritt in den Ruhestand 2022 die BMW Group Financial Services. Diese umfasst weltweit über 50 Gesellschaften und Kooperationen mit lokalen Finanzdienstleistern, in Deutschland die BMW Bank GmbH mit Zweigniederlassungen in Italien, Spanien und Portugal. Prof. Dr. Konrad Wimmer sprach mit ihm darüber, wie Captives gesteuert werden und vieles mehr.

11/25/24
Banksteuerung
Interview: "Wie werden Captives gesteuert, Herr Dr. Wittig?"

Automobilbanken sind konzerngebunden und übernehmen für ihren Konzern die Händler- und Absatzfinanzierung. Sie werden deshalb auch als „Captives“  bezeichnet.

„Wie werden Captives gesteuert, Herr Dr. Wittig?“

Anhang

Beispiel zur Frage 3: „Einklang zwischen der periodischen beziehungsweise am Rechnungswesen orientierten Steuerung und der barwertigen Projektsteuerung“1

Wir betrachten den Projekt-Cashflow (beziehungsweise alternativ einen Kredit-Cashflow) mit einer Investition in Höhe von 100, der zu gleich hohen Rückflüssen in Höhe von 55,30 im Jahr 1 und 2 führen soll. Die Projektrendite beträgt 6,99 %. Die Opportunität, die Rendite, die am Geld- und Kapitalmarkt (GKM) erzielbar beziehungsweise für die Finanzierung aufzuwenden wäre, entspricht im Beispiel dem oben erwähnten Mindestverzinsungsanspruch. Da die Anlage am Geld- und Kapitalmarkt nur 3 % erbringen soll, rechnet sich das Projekt. Der Marktwert, das ist der Barwert der diskontierten Cashflows, beträgt 105,82. Das heißt, der Nettokapitalwert (NKW), zugleich der Margenbarwert (MBW), errechnet sich mit 105,82 – 100 = 5,82. Die Projektentscheidung ist damit leicht zu treffen, da sich das Projekt (beziehungsweise der Kredit) auch anhand des Kapitalwertkriteriums rechnet (vgl. Tabelle 1).

Nun gilt es, den Blick auf die periodische Ermittlung der bilanziell gemessenen Projektrenditen zu richten. Das Projekt liefert eine periodische Rendite in Höhe von 6,99 % (= 6,99/100 beziehungsweise 3,61/51,69); vgl. Tabelle 2.

Die Opportunität verzinst sich entsprechend mit 3,00 %. Man erhält somit Opportunitätszinsen von 3 = 100 * 3 % und 1,55 = 51,69 * 3 %. Entsprechend beträgt der Periodenerfolg 3,99 % (6,99 % – 3 %) beziehungsweise 3,99 und 1,55 in absoluten Beträgen. Der Periodenerfolg wird in der Bankenbranche auch als Marge bezeichnet; vgl. Tabelle 3.2

Nun lässt sich auch die GuV angeben unter der Prämisse, dass das Projekt mit 3 % am Geld- und Kapitalmarkt finanziert wurde. Der jährliche Gewinn (Jahresüberschuss) beläuft sich auf 3,99 beziehungsweise 2,06 – er entspricht damit der eben ermittelten Projektmarge; vgl. Tabelle 4.

Schließlich ist zu klären, wie die im Interview beschriebene „Rückkoppelung“ umgesetzt werden kann. Hierzu kann man periodisch den Marktwert der Investition mit dem eingesetzten Kapital vergleichen. Bei Start des Projekts stimmt die Differenz mit dem Margenbarwert beziehungsweise Nettokapitalwert überein. Realisieren sich die Projekt-Cashflows im Zeitablauf wie geplant, so entspricht die eben angesprochene Differenz gerade dem aufgezinsten Nettokapitalwert. Im Jahr 1 gilt demnach: 5,82 *1,03 = 5,99. Liegt der Istwert darunter, so ist dies ein zuverlässiger Indikator, um im Projekt nachzujustieren;3 vgl. Tabelle 5.