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Grüne Kreditvergabe – mehr Schein als Sein?

Inwieweit halten Banken ihre Versprechen einer grünen Kreditvergabe ein? Die Europäische Zentralbank (EZB) macht in ihrer Untersuchung „Green lending: do banks walk the talk?“ erhebliche Diskrepanzen zwischen den Umweltangaben der Banken und ihrer Kreditvergabepraxis aus.

02/20/24
Aufsichtsrecht, Geschäftsmodelle, MaRisk, Nachhaltigkeit, Strategie
Grüne Kreditvergabe – mehr Schein als Sein?

Überblick

Die EZB hat kürzlich in einem Blogartikel „Green lending: do banks walk the talk?“1 ihre Untersuchung veröffentlicht, inwieweit Banken ihre Versprechen einer grünen Kreditvergabe einhalten. Die Forschungsergebnisse der EZB fallen ernüchternd aus:

Dies liege u. a. am Zögern der Banken, bestehende Kreditbeziehungen im Falle eines unangemessen hohen CO2-Fußabdrucks des Firmenkunden zu beenden.

Finanzieren Banken den Weg „von braun nach grün“?

Der Aufsicht geht es wie der Politik nicht darum, generell braune Finanzierungen zu unterbinden. Vielmehr soll gerade auch die Transformation eines Firmenkunden finanziert werden, der sukzessive seine Produkte und/oder Produktionsverfahren in Richtung mehr Nachhaltigkeit umstellen will.

Tatsächlich kommt die Untersuchung bezogen auf die Kreditvergabe von Banken mit umfassenderer Umweltberichterstattung jedoch zu folgendem Ergebnis. Unternehmen mit einem unangemessenen hohen CO2-Fußabdruck, die Kredite von diesen Instituten erhalten haben, verringern ihre Emissionen nicht bzw. verpflichten sich nicht freiwillig hierzu. Diese Institute bremsen überdies die Kreditvergabe an junge Unternehmen in braunen Industrien, obwohl diese Unternehmen potenziell umweltfreundliche Innovationen hervorbringen könnten. Auch sind diese Banken zurückhaltend, Kredite an emissionsintensive Unternehmen zu vergeben, die durch Forschung und Entwicklung grüne Innovationen voranbringen könnten. Im Kern deckt die Untersuchung also eine nicht unwesentliche Diskrepanz auf zwischen der umfangreichen Berichterstattung der Banken über ihre Umweltabsichten und der Kreditvergabepraxis, bei der ökologische Aspekte nach wie vor zu kurz kommen.

Gründe für die „nicht-grüne“ Kreditvergabepraxis

Die EZB vermutet aufgrund ihrer Forschungsergebnisse, dass ökonomische Gründe zu dieser Diskrepanz führen. Brechen Banken bestehende Kreditbeziehungen mit Kreditnehmern mit einem unangemessenen hohen CO2-Fußabdruck ab, so könnten damit Kreditausfälle verbunden sein. Hierzu sei an dieser Stelle angemerkt: Der Ausfall „heute“ und der möglicherweise deutlich höhere Ausfall „morgen“ werden dabei aber scheinbar nicht rein ökonomisch gegeneinander abgewogen – spätere Kreditausfälle belasten ggf. nicht mehr die heute noch Verantwortlichen. Dies gilt analog, wenn Kreditnehmer aus braunen Branchen unrentabel sind oder es absehbar werden. Bekommen diese Kunden bei anderen Instituten ebenfalls keine Kredite, prolongieren Banken möglicherweise die bestehenden Kredite, damit die Kreditnehmer ihr Geschäft fortführen können.

Fazit

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die noch zu wenig an ESG ausgerichtete Kreditvergabepraxis werden wohl noch auf absehbare Zeit zu beobachten sein. Banken tun sich immer noch schwer ihre Kreditvergabepraxis an ESG-Kriterien anzupassen. Dies liegt wohl nicht nur an den Instituten, denn die Politik bietet leider häufig wenig verlässliche Rahmenbedingungen, wie die Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) gezeigt hat. Auch hemmt die Komplexität der Regelungen, allen voran die der EU-Taxonomieverordnung.

Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfang und in welchem Zeitrahmen die 7. MaRisk-Novelle zu einer wesentlichen Veränderung beiträgt. Möglicherweise folgt hier der Druck über Sonderprüfungen, die die BaFin bereits vor wenigen Wochen für 2024 angekündigt hat: