Banking der Zukunft – das Interview.
Natalie Lorenz am 08.03.2022 im Gespräch mit Jens Eckhardt, Vorstandsvorsitzender, Sparkasse MagdeBurg.
Auch im Kundengeschäft. Hier gab es Beratungscenter für die Kunden, hier gab es Spezialisierung. Das gab es im Jerichower Land zu diesem Zeitpunkt alles noch gar nicht. Das war eine der größten Herausforderungen. Aber wo es Herausforderungen gibt, gibt es auch Chancen. Wir haben uns in vielen Punkten auch sehr gut ergänzt. Zum Beispiel haben wir hier in Magdeburg viele große Unternehmen. Entsprechend voll war auch unser Kredittopf. Wir waren da sehr großteilig unterwegs, das Jerichower Land eher kleinteilig.
Durch die Fusion hat sich die Granularität der Sparkasse also positiv verändert. Außerdem hatten die Kollegen aus dem Jerichower Land einen entscheidenden Vorteil, nämlich die deutlich höhere Kundenbindung im ländlichen Raum. Das spielt gerade im Jugendmarkt eine große Rolle. Hier in Magdeburg wechseln sie spätestens dann, wenn die kostenfreie Girokonto Zeitspanne vorbei ist, zu allen möglichen anderen Anbietern. Die gute Netzabdeckung macht das ja auch möglich. Zudem ist die Fluktuation der Jugendlichen hier in Magdeburg eine ganze andere als auf dem Land. Die Kundenbindung ist daher ein positiver Beitrag aus dem Jerichower Land.
Zudem sind wir jetzt ein größeres Haus. Früher waren die personellen Ressourcen immer knapp, gerade, wenn es um Projekte ging. Jetzt haben wir 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und wenn die Kolleginnen und Kollegen aus dem Jerichower Land mit denen aus Magdeburg zusammenkommen, dann setzt das gewisse Energien frei, die die Sparkasse auch nach vorne bringen. Aber natürlich ist noch einiges zu tun. Besonders in der organisatorischen Aufstellung. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen darauf, wie die
Führung besetzt wird. Sind das alles Magdeburger? Oder ist das durchmischt? Wir haben seinerzeit entschieden, uns völlig neu aufzustellen. Jede Abteilungsleiterin, jeder Abteilungsleiter musste sich neu auf seine Stelle bewerben. Wir hatten ein Assessment Center und haben dann in der Tat doch einige Veränderungen vorgenommen. Das Jerichower Land und Magdeburg findet sich von der Verteilung her ungefähr paritätisch wieder. Das ist wichtig. Und wir haben in unserer Strategie auch festgelegt, dass wir die Anzahl der weiblichen Führungskräfte deutlich stärken möchten. Die Mehrzahl der Sparkassen-Angestellten ist nach wie vor weiblich, das muss sich natürlich auch in den einzelnen Hierarchiestufen niederschlagen. Auf Ebene der Gruppenleitung haben wir schon einen hohen Anteil weiblicher Führungskräfte. Aber bei den Abteilungsleitern wird das schon schwieriger. Dort haben wir eine Quote von 30 Prozent angesetzt. Wir haben auch bewusst Kolleginnen angesprochen, ob sie nicht eine Führungsrolle übernehmen wollen. Und in einigen Fällen ist das auch sehr gut gelaufen.
Viele Standards werden uns auch von der FI angeboten. Wir haben ganz klar gesagt: Wenn die FI etwas entwickelt und auf die Rampe stellt, dann möchten wir das auch konkret ein- und umsetzen. Weil es uns als Sparkasse, aber insbesondere auch unseren Kunden, Vorteile bringt. Wir können uns zwar nicht mit einer Direktbank vergleichen, wir sind eine Sparkasse. Aber die Möglichkeiten, die wir als Sparkassen haben, müssen wir auch nutzen.
Wir müssen die Bedürfnisse unserer Kunden aufnehmen. Und wenn unsere Kunden sagen, ein normales Depot ist mir zu langweilig, dann müssen wir versuchen, das Etablierte, das Sichere – sprich die Sparkasse – mit modernen Techniken in Verbindung zu bringen. Zum Beispiel bieten die Sparkassen eine Krypto-Wallet an. Das müssen wir auch, weil viele, insbesondere jüngere Kunde Kryptowährungen nutzen. Wir müssen natürlich ein sicheres Medium anbieten. Das dürfen nur klassische Execution-Only-Geschäfte sein, mit denen wir uns nicht in eine Beratung hineinbegeben.
Aber wir müssen uns als Sparkasse an dieser Stelle offen und innovativ zeigen. Sonst kommen wir aus dieser verstaubten „Oma-Ecke“ nicht heraus. Andererseits wird an den Schulen das Thema Wirtschafts- und Finanzbildung überhaupt nicht vermittelt. Es gibt von vielen Wirtschaftsverbänden die Forderung, dass Wirtschaft ein Schulfach werden muss. Oder in den Gemeinschaftskundeunterricht miteingebunden werden soll. Wir nutzen schon lange das Planspiel Börse, das mittlerweile sehr zentral ist, um das Thema in den Schulen unterzubringen. Aber das hängt immer sehr von den Lehrern ab. Und Corona hat gezeigt, dass die Lehrer zwar sehr gute Pädagogen in Musik, Mathematik und Physik und so weiter sind. Aber im Umgang mit den neuen Medien gibt es bei vielen Lehrkräften noch großen Optimierungsbedarf.
