Banking der Zukunft – das Interview.
Christian Dechert und Leif Brunschön am 19.07.2022 im Gespräch mit Torsten Krieger, per 01.09.2022 Vorstandssprecher der PSD Bank Hannover eG verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing, Vertriebsmanagement & Handel/Treasury.
Und dann ist da noch das Thema Genossenschaft. Unsere Eigentümer sind Mitglieder unserer Bank, die entscheiden, was passiert. Wir haben nicht Gewinnmaximierung als Ziel. Das werden Sie auch in unseren Bilanzen und in unseren Kennzahlen sehen. Wir versuchen, unsere Kostenvorteile in irgendeiner Form an unsere Kunden weiterzugeben: über günstige Konditionen, über gute Arbeitsbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch über Serviceleistungen.
Das zweite Thema, das Sie angesprochen haben, ist die Sichtbarkeit. Auch hier gehen wir einen anderen Weg. Das ganz klassische Marketing ist so kostenintensiv geworden, dass man es als Bank unserer Größe gar nicht mehr betriebswirtschaftlich sinnvoll betreiben kann. Deshalb setzen wir sehr stark auf Social Media und versuchen, darüber Kunden zu akquirieren. Wir versuchen, über PR- und Pressearbeit, aber vor allem sehr stark über Online-PR zu agieren und dort immer wieder aufzutauchen. Auch unsere Zusammenarbeit mit Plattformen wie Check24 macht uns sichtbar. Die PSD-Bankengruppe war eine der ersten Banken, die auf Check24 präsent war und die mit Europace und Interhyp gearbeitet hat.
Allerdings ist unsere B2B-Bekanntheit deutlich höher als im B2C-Bereich. Das heißt, der klassische Vermittler, der am Markt Kunden berät, kennt die PSD-Bank und weiß, wofür wir stehen, wie gut unsere Prozesse sind und was wir können. Aber auch, was wir nicht können. Im B2C-Bereich holen wir in den letzten Jahren allerdings sukzessive auf. Auch da zählt das Thema Omnikanal. Wir sind gerade dabei, uns am Point of Sale stärker zu platzieren. Das machen wir aktuell über einen Partner bei Autohäusern. Wir sind aber auch dabei, eine Dunkelverarbeitung für Konsumentenkredite für Partner oder regionale Anbieter vor Ort zu schaffen. Auch hier punkten wir mit dem Thema Regionalität. Ein regionales Küchenstudio und ein regionaler Hersteller arbeiten lieber mit einem regionalen Anbieter als mit einem Großanbieter, der in Spanien oder sonst wo sitzt.
Außerdem haben wir in den letzten drei, vier Jahren naheliegende Themenfelder aufgebaut. Damit meine ich: Wenn ich eine Baufinanzierung anbiete, ist es ja auch sinnvoll, mich mit Immobilien zu beschäftigen. Also haben wir in den letzten fünf Jahren Immobilieneigentum aufgebaut und treten als Vermieter auf. Im Zuge dessen haben wir uns in den letzten drei Jahren mit dem Thema Makelei beschäftigt und gerade eine Hausverwaltung erworben. Das Thema Hausverwaltung rollen wir noch in diesem Jahr an unsere Kunden aus, um ihnen ein Rundumservice anzubieten. Auch da akquirieren wir natürlich neue Kunden und werden sichtbarer, weil die Immobilien, die wir direkt verwalten, nur in unserem Geschäftsgebiet sind. Die haben wir auch nicht über einen Fonds erworben, sondern betreiben sie direkt.
Aber der größte Unterschied ist, dass wir – anders als andere Anbieter – Kleinstfilialen eröffnen. Wir arbeiten mit Nanobüros, wie wir sie nennen. Die können wir sehr kostengünstig für die Beratung betreiben, weil wir keinen Geldautomaten aufstellen müssen. Wir haben ja kein Girokonto. Das heißt, ich muss nur einen Büroraum mieten und brauche einen oder zwei gute Mitarbeiter, die vor Ort aktiv sind. In den letzten drei Jahren haben wir zwei solcher Büros eröffnet. In den nächsten fünf Jahren möchten wir noch einmal acht bis neun weitere eröffnen, um in jedem Landkreis einen Anlaufpunkt zu haben. Da sind wir dann im Stadtzentrum und werden auch sichtbarer – das bringt uns mehr, als Werbeplakate zu schalten.
Um zu sehen, welche Kundenbedürfnisse es gibt, schauen wir uns jährlich die Megatrends und auch Marktstudien an und monitoren das regelmäßig mit Umfragen in unserem Kundenbestand. Das, was dabei herauskommt, versuchen wir zu implementieren. Bei unserer Bankgröße von 1,2 Mrd. und einer Mitarbeiterzahl von nur knapp über 80 können wir gut Testballons starten. Wir müssen keine 500 Berater schulen, wir müssen kein neues IT-System bauen. Wir können uns Potenziale oder Trends heraussuchen und nach dem Trial-and-Error-Prinzip testen. Wenn von zehn Themen, die wir versuchen, sechs ein Erfolg sind, dann ist das schon ein super Ergebnis. Wir bedienen zum Beispiel Tiny-House-Lösungen. Es gibt nur vier Banken in Deutschland, die das machen. Das haben wir aufgegriffen, weil wir an dieses Thema glauben. Übrigens ein ganz spannender Markt, der zumindest laut Studien in den nächsten drei Jahren auf 3,6 Milliarden Kreditvolumen in Deutschland jährlich anwachsen soll. Der Bedarf ist auf jeden Fall da.
Der Nachteil ist, dass wir manche Themen schon in den Markt werfen, die erst zwei Jahre später funktionieren. Aber das ist auch eine Lernkurve der letzten Jahre, dass wir ein, zwei, drei Jahre durchhalten müssen, weil das Thema irgendwann dann doch relevant wird. In einer Umfrage äußert ein Kunde ja eher Wünsche, die er aktuell noch gar nicht nutzt oder zu nutzen bereit ist.
Ich glaube, Nachhaltigkeit fokussiert sehr stark auf das Thema Ökologie. Das empfinde ich als zu wenig. Wir haben das Thema strategisch auf Basis der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen verankert. Die versuchen wir in diesem und im nächsten Jahr ganz sauber auf uns herunterzuclustern und auch wirklich in unseren Bankprodukten und in unser Verhalten umzusetzen. An einigen Stellen sind wir schon recht weit, an anderen noch nicht. Das Thema Nummer fünf zum Beispiel ist die Geschlechtergleichheit. Wir sind eine der wenigen Banken, bei denen der Aufsichtsrat hälftig von Männern und hälftig von Frauen besetzt wird. Das ist eher noch eine Ausnahmeerscheinung. Wir haben aktuell auch mehr weibliche als männliche Führungskräfte. Wo wir noch nicht so weit sind, ist die Zusammensetzung unseres Vorstandsteams. Aktuell sind wir noch drei männliche Vorstände. Aber das ändert sich wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit.
Außerdem versuchen wir uns in regionalen ökologischen Projekten zu engagieren. In Hannover gibt es zum Beispiel das Eco-Village. Dort bilden wir Teile der Finanzierungen ab, zum Beispiel auch, wie schon gesagt, für die Tiny-Houses. Über solche Wege versuchen wir, ökologisch wertvolle Projekte abzubilden. Wir versuchen auch Wohnraum zu schaffen, der nachhaltig, aber trotzdem bezahlbar ist. Sie werden bei uns Wohnungen finden, die sehr neu sind und einen sehr hohen energetischen Standard haben. Das letzte Haus, das wir erworben und vermietet haben, hat sogar ein AA+ in der Energieeffizienz. Das heißt, es produziert mehr Energie, als verbraucht wird. Auch diese Wohnungen müssen bezahlbar bleiben. Also versuchen wir sie zu adäquaten Preisen am Markt zu etablieren. Und so werden wir uns in diesem und im nächsten Jahr an den 17 Nachhaltigkeitszielen „abarbeiten“ und versuchen, sie bis auf Produkt- und Kundenebene herunterzubrechen und in unser Verhalten umzumünzen.
Ende dieses Jahres werden wir in ein neues Gebäude umziehen, wo wir zumindest fünfzig Prozent unserer benötigten Energie selbst herstellen. Es handelt sich um eine gebrauchte Immobilie, deshalb war leider nicht mehr möglich, aber fünfzig Prozent sind auch schon ein guter Ansatz. Außerdem versuchen wir natürlich auch, unseren Fuhrpark umzustellen.
Deshalb meine ich, Banken sind notwendig. Der Privat- oder Firmenkunde wird nicht in der Lage sein, sämtliche Themen über einen Klick zu lösen. Gerade Once-in-a-Lifetime-Produkte – nehmen wir einmal ganz klassisch die Baufinanzierung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand vor dem PC sitzt, sich durch fünf Fragen klickt und am Ende steht da: „Wollen Sie das Objekt für 560.000 Euro kaufen? Der Vertrag läuft über 60 Jahre. Jetzt hier klicken!“ Ich glaube, hier ist immer noch der Mensch gefragt. Das muss nicht persönlich in der Filiale sein, aber wenigstens per Video möchte ich jemanden sehen. Man ist ja auch Mensch, man möchte ein Gegenüber sehen, zu dem man Vertrauen aufbauen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Vertrauen über eine Klickstrecke aufbaut, an deren Ende solche Summen stehen. Je schneller es um hohe Summe geht und je länger Laufzeiten von Verträgen sind, desto geringer wird die Digitalisierung sein.
