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CSRBB in der Praxis - Erfahrungen mit der Umsetzung der neuen Anforderungen

<b>NEWS 02/2025</b><br><br>CSRBB (Credit Spread Risk in the Banking Book) bezieht sich auf das Risiko von Veränderungen der Kredit- und Liquiditätsmargen, die sich auf den Wert von Finanzinstrumenten im Anlagebuch einer Bank auswirken können. Mit den CSRBB hat die EBA die Anforderungen an die Messung und Steuerung der Kreditspreadrisiken (CSRBB) deutlich erweitert. Damit stehen Banken vor der Aufgabe, ein bislang wenig beachtetes Risiko systematischer zu betrachten und umfassend in ihre Risikosteuerung zu integrieren.

07/23/25
Aufsichtsrecht, Risikomanagement
CSRBB in der Praxis - Erfahrungen mit der Umsetzung der neuen Anforderungen

Abstract

Die EBA hat am 20. Oktober 2022 mit der Veröffentlichung von überarbeiteten Leitlinien1 die Anforderungen an die Messung und Steuerung der Kreditspreadrisiken (CSRBB2) deutlich erweitert. Diese Anforderungen müssen die bedeutenden Institute in der EU (Significant Institutions – SI) bereits seit dem 31. Dezember 2023 erfüllen. Die deutschen Institute, die als weniger bedeutend klassifiziert werden (Less Significant Institutions – LSI), müssen sie auf Basis der 8. MaRisk-Novelle3 seit dem 31. Dezember 2024 vollständig umsetzen.

Damit stehen Banken vor der Aufgabe, ein bislang wenig beachtetes Risiko systematischer zu betrachten und umfassend in ihre Risikosteuerung zu integrieren. Der vorliegende Beitrag skizziert Praxiserfahrungen aus verschiedenen Umsetzungsprojekten, benennt typische Fragestellungen sowie Herausforderungen und leitet konkrete Handlungsempfehlungen für eine risikoorientierte und zugleich pragmatische Umsetzung ab.

Einleitung

Die Aufsicht fordert sowohl qualitative als auch quantitative Maßnahmen zur Identifikation, Messung und Steuerung der Kreditspreadrisiken im Anlagebuch. Dabei lässt sie bewusst Implementierungsspielräume, die eine proportionale Umsetzung erleichtern sollen. Erste Projekte zeigen, dass methodische Fragestellungen, die Abgrenzung des betroffenen Produktumfangs, die Auswahl geeigneter Datenquellen und die organisatorische Einbindung zentrale Herausforderungen darstellen.

Regulatorische Einordnung: Was hinter CSRBB steckt

Die CSRBB-Regulierung zielt darauf ab, Risiken aus Veränderungen marktbezogener Kredit- und Liquiditätsspreads bezogen auf den Bestand und auf das Neugeschäft zu messen und zu steuern. Analog zu IRRBB4 – dem Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch – ist auch CSRBB aus einer barwertigen und in einer am Zinsertrag orientierten periodischen Perspektive zu betrachten.

Das Kreditspreadrisiko einer Position bezieht sich auf eine geänderte Risikoeinschätzung am Markt, die sich über Aufschläge (Spreads) auf einen risikolosen Zinssatz in den Konditionen für Kreditprodukte manifestiert. Es bezieht sich ausdrücklich nicht auf das Risiko einer Bonitätsänderung eines konkreten Kreditnehmers, die im Kreditrisiko zu messen wäre.5 Nach den Vorgaben der MaRisk steht es den Instituten frei, das Kreditspreadrisiko als eigenständige Risikoart, als Teil des Marktpreis- oder als Teil des Kreditrisikos zu betrachten.

Das Kreditspreadrisiko erfordert eine eigene Methodik zur Risikoquantifizierung. Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, dass der implizite Kreditspread insbesondere bei nicht börsengehandelten Positionen oft nur schwer messbar ist.

Die EBA und die nationalen Aufsichtsinstanzen möchten mit den erweiterten CSRBB-Anforderungen eine größere Risikosensitivität im Anlagebuch erreichen, indem die Banken Wert- und Ertragsänderungen, die durch Änderungen der marktbezogenen Kredit- und Liquiditätsspreads entstehen, transparent machen und in das Risikomanagement einbeziehen.

Auslegungsspielräume und ihre Auswirkungen auf die Praxis

Die praktische Umsetzung der CSRBB-Anforderungen stellt Institute vor erhebliche Auslegungsfragen. Zwar definieren die EBA-Leitlinien und die MaRisk das Kreditspreadrisiko als ein wichtiges finanzielles Risiko des Anlagebuchs und ordnen es dem ICAAP6 unter, doch viele Begriffe und Anforderungen sind in der Implementierung zu konkretisieren.

In der Praxis führt dies zu heterogenen Umsetzungsansätzen. Viele Institute verfolgen einen modellbasierten Ansatz, bei dem aus Marktpreisen oder Benchmark-Zinskurven implizite Kreditspreads ermittelt werden. Andere Banken leiten Kreditspreads aus Deckungsbeitragsrechnungen für Kreditprodukte ab. Manche Häuser nutzen auch Expertenschätzungen, die mit Marktdaten validiert werden.

Auch die Frage, ob CSRBB als separates Risiko mit einer eigenen Risikodeckungsmasse versehen werden muss oder dem Marktpreis- oder dem Kreditrisiko als Teilrisiko untergeordnet wird, wird unterschiedlich beantwortet – nicht zuletzt abhängig von Größe, Geschäftsmodell und Risikostrategie des Instituts. Aufgrund der Analogie zu IRRBB bietet sich aus Sicht der Autoren in vielen Banken eine Zuordnung zum Marktpreisrisiko an.

Eine zentrale Fragestellung betrifft den Umfang der Positionen, die in die CSRBB-Risikomessung einbezogen werden:

  • Einige Institute setzen CSRBB nur in einem minimalen Umfang um und betrachten ausschließlich das Kreditspreadrisiko ihres Anleiheportfolios.
  • Viele beziehen zusätzlich noch Schuldscheindarlehen auf der Aktivseite mit in die Risikomessung ein.
  • Manche Häuser betrachten darüber hinaus die Teile ihres Kreditgeschäfts, deren Konditionierung von marktweiten Spreads abhängt.
  • Diese Institute beziehen häufig auch Teile der Passivseite in ihre Betrachtung ein mit der Begründung, dass auch die eigenen Refinanzierungskonditionen von marktweiten Spreads abhängen.

Die hier skizzierten Umsetzungsvarianten haben einen erheblichen Einfluss auf die berechneten Risiken. Auch wenn eine proportionale Implementierung des Kreditspreadrisikos viele Unterschiede rechtfertigt, erwarten wir in Zukunft strengere Vorgaben seitens der Aufsicht.

Was Banken aus der bisherigen Umsetzung lernen können

Die erste Welle der CSRBB-Umsetzungsprojekte zeigt: Die größte Herausforderung liegt weniger in der reinen Berechnung, sondern mehr im Zusammenspiel von Methodik, Organisation und Kommunikation. Daraus lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für künftige Projekte ableiten:

CSRBB als Chance: Strategische Überlegungen zur Integration

Auch wenn CSRBB vordergründig eine regulatorische Anforderung darstellt, eröffnet die systematische Auseinandersetzung mit Kreditspreadrisiken jenseits der Kommunikation mit Prüfern und Aufsicht auch strategische Potenziale.

Wer seine Kreditspreadrisiken kennt und quantifizieren kann, ist in der Lage, seine Risikotragfähigkeit exakter zu ermitteln. Insbesondere für Institute mit einem größeren Portfolio an Wertpapieren und Schuldscheindarlehen ist CSRBB wesentlich, um die mit Ertragschancen verbundenen Risiken im Sinne einer Gesamtsteuerung über das klassische Zinsänderungs- und Kreditrisiko hinaus umfassend zu messen und zu steuern. Das eröffnet Spielräume, die Banken in der Portfoliosteuerung und bei Investitionsentscheidungen nutzen können.

Fazit: Zwischen Regulierungsdruck und Gestaltungsfreiheit

Die Umsetzung der CSRBB-Anforderungen ist kein standardisierter One-size-fits-all-Prozess. Vielmehr zeigt sich, dass Institute individuelle Lösungen entwickeln müssen, die zu ihrem Geschäftsmodell, ihrer Risikostrategie und ihrem Datenhaushalt passen. Die Aufsicht betont die Eigenverantwortung der Institute, die in einer proportionalen Auslegung der Vorgaben liegt.

Aus den bisherigen Projekten lässt sich ableiten, dass ein pragmatischer, durchdachter Einstieg sinnvoll ist – verbunden mit der Bereitschaft, Methoden und Prozesse regelmäßig zu validieren und bei Bedarf zu überarbeiten. Wer CSRBB nicht nur als Pflichtübung, sondern als Chance zu einer besseren Risikotransparenz versteht, kann daraus einen Mehrwert für die Gesamtbanksteuerung ableiten.

In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie tief CSRBB tatsächlich in den ICAAP zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit und in die Banksteuerung integriert wird. Klar ist jedoch: Die Fähigkeit, Kreditspreadrisiken im Anlagebuch zu erkennen, zu messen und zu steuern, wird zum festen Bestandteil eines professionellen Risikomanagements gehören.