Wichtige Änderungen der CRR III in Bezug auf die Berechnung der RWA
Die Capital Requirements Regulation III (CRR III) markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Umsetzung der finalen Basel-III-Reformen innerhalb der Europäischen Union. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors zu stärken, die Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen. Ein zentraler Aspekt der CRR III ist die Überarbeitung der Berechnung der risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets, RWA).
Diese Neuerungen erfordern eine umfassende Anpassung interner Modelle und Strategien. Besonders betroffen sind die Bereiche Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury.
Veränderte Zusammenarbeit zwischen Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury
Die Aufsicht fordert eine konsistente und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury. Diese Konsistenz ist entscheidend, um Risiken frühzeitig zu erkennen, gezielt zu steuern und die Effizienz der Prozesse und Abläufe nachhaltig zu verbessern.
Ein proaktives Risikomanagement bedeutet, regulatorische und methodische Veränderungen bereits vor ihrem Inkrafttreten zu antizipieren. Dadurch können strategische Überlegungen sowie Szenariorechnungen frühzeitig angestoßen und fundierte Entscheidungen getroffen werden.
Szenariorechnungen zählen zu den Kernaufgaben des Risikocontrollings. Die Herausforderung besteht darin, die veränderte RWA-Berechnung mit zeitlichem Vorlauf und für Szenariorechnungen unabhängig vom laufenden Meldewesenprozess bereitzustellen. msg for banking hat hierfür Anfang 2024 eine neue Komponente zur RWA-Berechnung entwickelt und interessierten Instituten zur Verfügung gestellt. Diese ermöglichte Vergleichsrechnungen zwischen der bisherigen und der neuen Berechnungsmethodik. Auf Basis dieser Analysen konnten bereits frühzeitig strategische Maßnahmen, etwa zur Portfolioumschichtung oder zur Einführung eines IRB-Partial-Use, initiiert werden.
RWA-Berechnung als Steuerungsinstrument
Die neue RWA-Berechnung ist mittlerweile in den Meldewesenprozess integriert und wird dort produktiv eingesetzt. Dennoch bleibt eine separate, technisch unabhängige Bereitstellung der RWA-Daten essenziell, um eine proaktive und strategisch fundierte Steuerung zu ermöglichen.
So benötigt das Treasury beispielsweise frühzeitig Informationen darüber, wie sich die RWA-Situation durch den Abschluss eines Neugeschäfts verändert. Das Risikocontrolling wiederum muss die Entwicklung der RWA in Vorschaurechnungen und Planungsprozesse einbeziehen. Auch bei strategischen Portfolioanpassungen oder für eine Entscheidung zur Einführung eines IRB-Partial-Use auf Teilportfolios sind belastbare Aussagen zu den Auswirkungen auf die RWA unverzichtbar.
Die Lösung liegt in der Nutzung einer flexibel einsetzbaren Komponente zur RWA-Simulation. Hierfür hat msg for banking die Komponente RWA-Simulation entwickelt. Sie ermöglicht eine unabhängige und zeitnahe Analyse der Auswirkungen regulatorischer und geschäftlicher Veränderungen auf die Risikopositionen.
Funktionsweise und Einsatz der RWA-Simulation
Die RWA-Simulation ist eine neue Softwarekomponente aus der Produktfamilie msg.ORRP (Open Risk and Reporting Platform), die sowohl für das Meldewesen als auch für das Risikocontrolling und das Treasury nutzbar ist und deutlich über die klassische Meldewesensicht hinausgeht.
Die Komponente RWA-Simulation ermittelt auf Basis an-gelieferter Bankdaten sowie definierter Stressszenarien eine Vorschau der RWA-Kennzahlen, also der Risk Weighted Assets, für aktuelle und zukünftige Zeitpunkte gemäß den Vorgaben der CRR III.
Dabei werden die übermittelten Geschäfte und Sicherheiten unter Berücksichtigung der in den Sicherheitsnetzen hinterlegten Beziehungen konsolidiert und dem RWA-Rechenkern zugeführt. Dieser berechnet für jeden Vorschautag und jedes Sicherheitsnetz die relevanten RWA-Kennzahlen. Die Berechnung erfolgt regelkonform nach den Vorschriften der CRR III und kann – abhängig vom aufsichtsrechtlichen Modellansatz – entweder nach dem Kreditrisikostandardansatz (KSA) oder auf Basis interner Ratings (IRBA) durchgeführt werden.
Unbesicherte Geschäfte werden in einem synthetischen Sicherheitsnetz verarbeitet, um eine einheitliche Ausgabestruktur für besicherte und unbesicherte Positionen sicherzustellen.
Darüber hinaus erlaubt die RWA-Simulation das Einlesen synthetischer Portfolios. Diese können entweder separat simuliert oder als Ergänzung zum bestehenden Portfolio verwendet werden. Die Komponente unterstützt die Simulation mehrerer Bestände – etwa auf Ebene der Gesamtbank und des Konzerns – als eigenständige Portfolios.
Für Risikopositionen, die im Stresshorizont ausfallen, erfolgt eine separate Berechnung der RWA und des Expected Loss (EL) gemäß den CRR-Vorgaben für ausgefallene Positionen.
Die RWA-Simulation ist eine vom Meldewesenprozess unabhängige Softwarekomponente. Sie kann sowohl batchgesteuert als auch über ein modernes User Interface bedient werden.
Die Nutzung ist flexibel und kann durch das Meldewesen, Risikocontrolling oder Treasury erfolgen – ohne negative Auswirkungen auf die Meldewesenprozesse. Im Gegenteil: Der Unterstützungsaufwand für das Meldewesen wird reduziert, während gleichzeitig konsistente und belastbare Ergebnisse bereitgestellt werden.
Stufenweises Vorgehen bei der Umsetzung der RWA-Simulation
Die Umsetzung der neuen RWA-Simulation erfordert ein strukturiertes und schrittweises Vorgehen, um regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen und gleichzeitig eine fundierte Steuerungsbasis zu schaffen. Der folgende fünfstufige Prozess hat sich in der Praxis bewährt:
Umgang mit zukünftigen Änderungen in der RWA-Berechnung
Ein zentraler Vorteil der gemeinsamen technischen Architektur besteht darin, dass Änderungen an der RWA-Berechnung künftig nur einmal implementiert werden müssen. Da sowohl das Meldewesen als auch die Simulation dieselbe Berechnungskomponente nutzen, wird mit jeder Auslieferung eines neuen Meldewesen-Releases automatisch die dazu passende korrespondierende Simulationskomponente bereitgestellt.
Diese enge Verzahnung stellt sicher, dass regulatorische Anpassungen konsistent und synchron in beiden Bereichen berücksichtigt werden. Die Konsistenz der Ergebnisse zwischen Meldewesen und Steuerung bleibt somit auch bei zukünftigen Änderungen gewahrt – ohne zusätzlichen Implementierungsaufwand in den einzelnen Fachbereichen.
Technische Umsetzung auch für LCR- und NSFR-Vorschau etabliert
Die für die RWA-Simulation entwickelte technische Architektur findet bereits Anwendung in weiteren Bereichen des Meldewesens – insbesondere bei der Vorschau auf die Liquiditätskennzahlen LCR (Liquidity Coverage Ratio) und NSFR (Net Stable Funding Ratio).
Auch hierbei handelt es sich um regulatorisch relevante Kennzahlen, deren Auswirkungen im Risikocontrolling und Treasury unter verschiedenen Szenarien, Maßnahmen und im Rahmen der Neugeschäftsplanung analysiert werden müssen. Aus der msg.ORRP-Produktlinie stehen hierfür die Komponenten LCR-Vorschau und NSFR-Vorschau zur Verfügung, die eine konsistente und vorausschauende Steuerung ermöglichen.
Diese Entwicklung zeigt deutlich: Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine übergreifende aufsichtsrechtliche Anforderung. Die Integration von Meldewesendaten in die operative und strategische Steuerung wird sich künftig auf immer mehr Kennzahlen und Themenfelder ausweiten – mit dem Ziel, Transparenz, Konsistenz und Steuerungsfähigkeit über alle relevanten Risikodimensionen hinweg sicherzustellen.
