Banking 2026: Fachkräftemangel, Unternehmenskultur und die volatile geopolitische Lage
Das Jahr 2025 war in vielerlei Hinsicht herausfordernd, auch für Banken. Was kommt 2026 auf die Banken zu? Darüber haben wir mit Andreas Mach, Mitglied des Vorstands, Rainer Wilken, Geschäftsbereichsleiter Management & Business Consulting und mit Stefan Baumann, Bereichsleiter Management Consulting gesprochen.
Im zweiten Teil unseres dreiteiligen Expertengesprächs „Banking 2026“ diskutieren wir über den Fachkräftemangel in Banken, über die sich wandelnde Unternehmenskultur und über die geopolitisch weiterhin sehr volatile Lage.
Die Fragen stellen Andrea Späth und Karin Dohmann.
Übrigens: Bei msg for banking duzen wir uns über alle Hierarchien hinweg und behalten dies auch bei unseren Interviews mit Kolleginnen und Kollegen bei.
Fachkräftemangel: Es wird immer sehr viele Bereiche geben, wo Menschen mit Menschen arbeiten.
Mit KI lassen sich bestimmte Prozesse effizienter oder kürzer gestalten, sodass nicht mehr ganz so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vonnöten sind. Damit planen bereits viele Banken. Aber die Zukunft des Bankings wird in einer hybriden Struktur liegen, sprich in einer Struktur, in der Mensch und Technik zusammenarbeiten.
Das Thema Fachkräftemangel bleibt meiner Meinung nach trotz KI-Einsatz akut. Untersuchungen zeigen, dass aktuell 35.000 bis 40.000 unbesetzte Stellen in Banken ausgeschrieben sind. Damit müssen sich die Banken auseinandersetzen, und hier haben sie mehrere Hebel.
Einmal natürlich, ihre Mitarbeitenden effizienter einzusetzen. Und dann, sie für anspruchsvolle Arbeiten weiterzuentwickeln, sie zu coachen. Eine ganz entscheidende Komponente ist auch, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Bank zu binden und ihnen ein modernes Arbeitsmodell sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Gerade die jungen Leute möchten natürlich wissen, wie sie sich innerhalb der Bank weiterentwickeln können. Und dann ist es natürlich auch wichtig, frühzeitig neue Fähigkeiten, gerade im Bereich Technologie, IT aufbauen. Denn das ist ein Bereich, in dem viele Banken einfach zu wenig Nachwuchskräfte haben, da müssen sie sich frühzeitig um die Ausbildung kümmern.“
Rainer Wilken: „Fachkräftemangel wird es in Zukunft auch deshalb geben, weil die Hochschulabsolventen, die sich entscheiden, in die Bank zu gehen, keine Traineeprogramme mehr durchlaufen können, wo sie Excel-Listen führen und Präsentationen aufbereiten müssen. Das macht nämlich schon längst die „Maschine“. Das heißt, die Banken müssen sich gut überlegen, wie sie die jungen Leute zukünftig an den Beruf des Bankers heranführen. Sie müssen zusätzliche, auch neue Ausbildungen anbieten und hier in Teilen Aufgaben der Hochschulen übernehmen. Und so Fachkräfte ausbilden, die sie dann einsetzen können.“
Aber zu glauben, dass man einfach junge Nachwuchskräfte einstellen kann, funktioniert eben auch nicht. Denn die jungen Menschen haben heute oft andere Pläne, interessieren sich nicht fürs Finanzwesen oder für Banken. Sie wünschen sich Sinn und flache Hierarchien und sehr große Flexibilität, sie möchten agil, mit KI und auch remote arbeiten. Aber das können viele Banken in diesem Umfang einfach noch nicht bieten.
Darum ist die Fluktuation gerade bei jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hoch. Die sagen nach zwei Jahren oft, okay, ich habe jetzt alles gesehen, jetzt ziehe ich weiter. Hier müssen die Banken ansetzen und noch viel flexibler werden.“
Stefan Baumann: „Ich habe kürzlich mit einer Genossenschaftsbank über dieses Thema gesprochen. Da ging es explizit darum, Führungskräfte darin zu schulen, um die Unternehmenskultur deutlich agiler auszugestalten. Banken müssen bereit sein, hier Anpassungen vorzunehmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und ihnen moderne Arbeitsmöglichkeiten bieten. Das wird 2026 auch ein Thema sein, an dem sie arbeiten müssen.“
Das beginnt bei unternehmensexternen Cyber-Attacken und endet geopolitisch bei der Fragestellung, ob die Daten, dort wo sie gehalten werden, überhaupt sicher sind.
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die nun ausgelotet werden müssen – von europäischen Clouds über Anbieter, die ausschließlich in Deutschland operieren, bis hin zu Lösungen, die vor allem darauf abzielen, alles überwiegend lokal und in einem sehr geschützten, privaten Raum zur Verfügung zu stellen.
All diese Elemente sind wichtig, denn die EZB wird bei ihren Stresstests natürlich wissen wollen, ob und wie die Lösungen vergleichbar sind. Wo es Performance-Unterschiede gibt, welche Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden müssen.
Der EZB-Stresstest wird natürlich erstmal die bedeutenden Institute betreffen. Trotzdem werden die einzelnen Anforderungen ebenso bei den kleineren und mittleren Banken relevant werden, wenn auch in anderer Ausprägung. Aber man wird sich an allen Stellen darauf vorbereiten müssen – die gesamte Datenhaltung überdenken, Notfallkonzepte entwickeln, sich bewusst machen, wie man Angriffe von außen abwehren kann.
Heute tun wir uns noch sehr schwer, solche Risiken zu messen, sie in die normale Risikosteuerung einzubinden und eine Konsistenz herzustellen mit dem bisherigen Risikomanagement. Hier 2026 die nächsten Schritte zu gehen, ist eine große Herausforderung.“
Rainer Wilken: „Noch mal zu den geopolitischen Risiken: Die großen Banken sind mitunter in Asien, im Baltikum, in Südafrika engagiert, eben überall dort, wo es irgendwann mal krachen könnte. Das muss man in Zukunft im Blick behalten und schon heute Szenarien und Handlungsoptionen dafür entwickeln, wenn es morgen zu Lieferkettenunterbrechungen oder Zahlungsausfällen kommt. Das zieht sich durch das gesamte Risikomanagement, durch die internen Prozesse. Darauf müssen die Banken vorbereitet sein und ein tragfähiges Krisenmanagement aufbauen.
Wobei Sparkassen oder Genossenschaftsbanken davon eher währungspolitisch und konjunkturell betroffen wären, also indirekt, da sie in diesen Ländern gar nicht oder nicht in diesem Ausmaß engagiert sind.“
